Entstehung
Sabine Cibert – Entstehung
März 2017 Showroom Galerie 7
Sabine Cibert schafft große Textil-Kompositionen, zeitgenössische Beschwörungen der Wandteppiche von einst. Jedes von Hand gefertigte Stück kann bis zu seiner Vollendung zwei Jahre dauern. Jedes einzelne von ihnen misst mehrere Quadratmeter und ist Teil einer Serie. Von orthogonalen und starren Elementen ausgehend schafft sie eine dynamische und instabile Atmosphäre.
Das große Format erlaubt es, bunte, sich ausdehnende Landschaften zu schaffen, die sich ständig wandeln. Die Verwendung von Textilen ermöglicht eine endlose Auswahl von Farben sowie ein großes Spektrum von den Armuren getragener Motive. Dadurch entstehen Bilder wie durch gebeugtes Licht, ein Echo, das sich in jede Richtung ausbreitet und zurückkommt.
Inspiriert von den Forschungen zur Abstraktion von Paul Klee oder Karl Herman Haupt analysiert Sabine Cibert das ursprüngliche Motiv, bricht es auf und lenkt von ihm ab. Ihre Inspiration bezieht sie auch aus einer gewaltigen und grandiosen Natur voller Berge, Gletscher, Schluchten, Wildwasser. Ihre Arbeit kann als sensible Abstraktion definiert werden.
In ihren jüngsten Studien stehen die Wasserwelten im Vordergrund. Wasser ist eine reflektierende Oberfläche, in der sich die Farben der Welt brechen. Die Oberfläche aus Textil wird zu einer Wasserfläche, über die der Wind hinweg streift, die der Stein zu Wellen macht, in der das Licht flirrt.
Jenseits der Beschwörung einer Landschaft zeigen die Arbeiten, was nicht zu sehen ist: Den Schatten, den Wind, den Stein, der gerade die Oberfläche durchbricht. Dies ist gleichsam die Erfassung stimmloser und terrestrischer Schwingungen, flüchtiger Zufälle, die Chaos erzeugen, obwohl jedes einzelne Stück bedächtig und geduldig mit einem fast meditativen Ansatz geschaffen wird.
Thomas Leveugle
Kunsthistoriker, Ausstellungskurator
März 2017