AugenBlicke 2011 – 2021
AugenBlicke 2011 – 2021
Übersetzung in Arbeit
Exhibition organized during Sabine Cibert’s residency
at the Ecole de l’Innovation Pédagogique in Saint-Bonnet-de-Salers and the International Festival of Extra ordinary Textiles (FITE)
Die Ausstellung war vom 5. bis zum 28. April 2022 in der Mediathek des Gemeindeverbands Pays de Mauriac zu sehen. Sie zeigt eine zehnjährige Schaffensphase Sabine Ciberts, in der sich die Künstlerin der Erforschung des immergleichen Motivs widmete, entnommen aus einem Werk des Bauhaus-Schülers Karl Hermann Haupt (1904-1983).
Ausgehend von Kollektionen unterschiedlichster Stoffe, die über mehrere Jahrzehnte hinweg zusammengetragen wurde, arrangiert Sabine Cibert Stoffquadrate mit drei oder sechs Zentimetern Seitenlänge, um Farbe und Vibration der verschiedenen Webarten zu explorieren.
Losgelöst von den traditionellen Quilt-Techniken, die Sabine Cibert vierzig Jahre lang erlernt und perfektioniert hat, verbindet die Künsterin heute Stofffragmente zu großformatigen Gesamtkompositionen von 4 bis 10 Quadratmetern – eine zeitgenössische Hommage an die klassische Wandteppichfertigung. Sie entwickelt ihre eigenen künstlerischen Ausdrucksformen, mit dem Ziel, Vibrationen unterschiedlicher Formate und das Zusammenspiel von Farbe und Stoff zu erforschen. Jedes Werk entsteht in langsamer und geduldiger Fertigung ausschließlich von Hand – ein fast meditativer Schaffensprozess.
Die Serie der AugenBlicke
Die Serie der AugenBlicke wurde durch Arbeiten des Bauhaus-Schülers Karl Hermann Haupt zur Fotografie inspiriert. Er war Anhänger des Konstruktivismus und führte Farbstudien durch, für die er einfache farbige Quadrate anordnete, die durch schwarze orthogonale Linien voneinander getrennt waren.
Von einer Fotomontage, bestehend aus stets demselben, frischgrätenartig angeordneten Abzug (2,8 x 5,5 cm) einer eingeschneiten Landstraße, übernimmt Sabine Cibert das Prinzip der Wiederholung von Ausgangs- und spiegelbildlichem Motiv, ergänzt jedoch Farbe und eine wechselnde Ausrichtung der einzelnen Blöcke: Das Licht beginnt zu vibrieren. Jeder Block besteht aus 13 mal 21 Quadraten, die Fragmente entstammen einer sehr breiten Farbpalette, hinzu kommt eine große Gewebevielfalt. So entsteht ein verpixeltes Bild, als würde das Licht gebrochent, gleich einem Echo, das sich ausbreitet und aus allen Richtungen zurückgeworfen wird.
Das Zusammenfügen der verschiedenen Stofflagen beim Quilten fügt noch eine weitere Dimension hinzu, weitere Kraftlinien: Das Werk gleicht einer dynamischen, dreidimensionalen Farbstudie, ermöglicht durch die stoffliche Beschaffenheit des Materials.
Die Serie der Semagramme
Wie die Werke der Serie AugenBlicke übernehmen die Semagramme die Kraftlinien einer Fotokollage Karl Hermann Haupts, eines Schülers des Weimarer Bauhauses.
Bei den Semagrammen wurde im Vergleich zu übrigen Werken der Serie AugenBlicke, deren Ableitung sie sind, sowohl die Farbpalette als auch das Format bewusst reduziert, wodurch der visuelle Wirkung verstärkt wird. Lebhafter, durchzogen von roten, blauen und gelben Linien, scheinen die Kompositionen unter Spannung zu stehen. Zwei vollständige Darstellungen des ursprünglichen Blocks im Zentrum der Komposition werden eingerahmt von zehn unvollständigen Blöcken; sie lassen die vollständige Entfaltung des Motivs erahnen. Die strahlenförmig angeordneten Quilt-Nähte gehen von einem dezentrierten Kreismittelpunkt aus; sie verleihen zusätzliche Dynamik und ermöglichen das Zusammenfügen der drei Stofflagen.
Thomas Leveugle
Kurator der Ausstellung
Ausstellung Instants 2011-2021, Mediathek des Pays de Mauriac, France, 2022.