Eine neue sicht
Übersetzung in Arbeit
Excerpt from the FITE publication 2020
Festival International des Textiles Extra ordinaires Love etc…
HS_Projets,
ville de Clermont-Ferrand,
Musée Bargoin,
Clermont Auvergne Métropole
Ausstellung, Hôtel de Chazerat, Clermont-Ferrand, France, 2020.
Die Abtei von La Chaise-Dieu liegt 40 km von Le Puy-en-Velay (Département Haute-Loire) entfernt. Im Innern der Abtei verbirgt sich ein außergewöhnlicher, jedoch viel zu unbekannter Kunstschatz: eine Wandteppich-Serie auf 14 Einzelteppichen, die Anfang des 16. Jahrhunderts gewebt wurden. Aus historischen Dokumenten geht hervor, dass die Serie erstmals 1518 ausgestellt wurde und bereits 1844 unter Kulturgutschutz stand.
Die 14 Tapisserien stammen höchstwahrscheinlich aus Flandern – aus Arras, Brüssel oder Tournais – und bilden einen Zyklus mit zwölf Bildern, der um zwei Szenen ergänzt wurde. Eine seltene Besonderheit ist, dass der Zyklus, der das Leben Christi von Geburt bis Auferstehung nacherzählt, vollständig erhalten ist.
In 2007, alerted by the general state of preservation of the site, the local community (Department, commune and community of communes) decided to create a joint commission to carry out the work. In 2009, they were supported by the State, which classified all the abbey buildings as Historic Monuments. Major restorations were undertaken between 2015 and 2019 to go back to the original brightness of the drapes, which mix wool, silk, linen, gold and silver threads. In addition to the rediscovery of the colors, this restoration made it possible to remove previous restoration and thus find forgotten iconographic details.
In June 2019 Sabine Cibert proposed to accompany the creation of a work mixing textile and volume, prepared and created in a collaborative and collective way with the participants. From a reading of the shapes and colors of the tapestries, the participants were invited to produce part of the overall textile work.
This initiative was proposed to the local structures: the Maurice Chantelauze Medical-Educational Institute (IME), the Accueil de Loisir sans Hébergement (ALSH) at La Chaise-Dieu, as well as two Etablissements d’Hébergement pour Personnes Agées Dépendantes (EHPAD), Marc Rocher in La Chaise-Dieu and Deux Volcans in Allègre. The artistic project was conceived as an intergenerational and collaborative action. After workshops in which the compositions and colors of the tapestries were analyzed, the participants in turn made textile modules using winding. All these modules make up a new work, nomadic and adaptable to the places that host it, as it was done with the tapestries in the past.
2007 zeigen sich Département, Gemeinde und Gemeindeverband besorgt über den Allgemeinzustand der Abtei und gründen einen gemischten Zweckverband (syndicat mixte) für die Durchführung von Renovierungsarbeiten. Ab 2009 erhalten sie staatliche Unterstützung, als sämtliche Gebäude der Abteianlage unter Denkmalschutz gestellt werden.
Auf Veranlassung des Zweckverbands von La Chaise-Dieu werden die Wandteppiche von 2015 bis 2019 umfassend restauriert: Die Wandbehänge, in die Woll-, Seiden-, Leinen-, Gold- und Silberfäden eingewirkt wurden, erstrahlen im alten Glanz. Im Zuge der Restaurierung wird jedoch nicht nur die ursprüngliche Farbenpracht wieder zum Vorschein gebracht – gleichzeitig werden auch die Folgen früherer Restaurierungen entfernt und so vergessenes Bildmaterial freigelegt.
Im Juni 2019 bietet die Künstlerin Sabine Cibert an, ein Kunstprojekt zu betreuen: Es entsteht ein textiles, dreidimensionales Kunstwerk, dessen Konzeption und Kreation kollaborativ und gemeinschaftlich erfolgen. Ausgehend vom Studium der Formen und Farben der Wandteppiche werden die Teilnehmer aufgefordert, einen Teil des textilen Gesamtkunstwerkes zu erschaffen.
Die Teilnahme am Kunstprojekt wurde mehreren Einrichtungen aus der Region angeboten: dem medizinpädagogischen Institut Maurice Chantelauze, dem Jugendfreizeitzentrum von La Chaise-Dieu sowie den zwei Alten- und Pflegeheimen Marc Rocher in La Chaise-Dieu und Deux Volcans in Allègre. Das Projekt versteht sich als eine generationenübergreifende Gemeinschaftsaktion. Nach Workshops zu Komposition und Farbgebung der Wandteppiche erschufen die Teilnehmer nun dank einer Wickeltechnik selbst textile Elemente. Durch das Zusammenfügen aller Teilelemente entsteht ein gänzlich neues Kunstwerk, das auf Wanderschaft gehen und sich neuen Raumgegebenheiten anpassen kann – genau wie einst die Wandteppiche.
Thomas Leveugle
Ausstellungskurator
Festival International des Textiles Extra ordinaires