Augenblicke FITE 2016
Übersetzung in Arbeit
Chroniques textiles from the International Festival of Extraordinary Textiles
September 2016
Die Serie “Augenblicke”, die neueste Arbeit von Sabine Cibert, inspiriert sich an einer fotografischen Studie von Karl Hermann Haupt, einem Schüler der berühmten Bauhaus-Schule. Zwischen 1923 und 1924 führt er ausgehend von fotografischen Kollagen visuelle Experimente zu den Effekten von Kraftlinien, den Beziehungen zwischen Schwarz- und Weißtönen, zwischen Positiv und Negativ durch. Dadurch werden Perspektive und Landschaft verändert, ein Gebäude wird zum Würfel, die gerade Straße zur schiefen Linie. Als Anhänger des Konstruktivismus besteht die Welt für ihn aus einfachen Formen und Farben, die sich gegenüberstehen. Zur selben Zeit entwickelt er seine “Farbstudien”, in denen sich einfache, von orthogonalen schwarzen getrennte Linien gegenüberstehen.
Aus dieser Fotomontage einer duplizierten Straße bewahrt Sabine Cibert das sich wiederholende, den alten Quilts gemeinsame Motiv, führt aber wieder Farbe ein und fügt dadurch die Schwingung des Lichts hinzu.
Dabei weist jeder Block der 13 mal 21 Quadrate eine sehr breite Farbskala auf, der ein großes Spektrum von Armuren hinzugefügt ist. Dadurch entsteht ein Bild wie durch gebeugtes Licht, ein Echo, das sich in alle Richtungen ausbreitet und zurückkommt.
Aus starren Linien, Rechtecke und Quadrate, schafft sabine cibert eine sich ständig ändernde dynamische Atmosphäre.
Sie setzt sich über die Technik des Quilts und der klassischen Kompositionen hinweg und entwickelt eine koloristische Arbeit. Das Steppen der verschiedenen Textilschichten fügt eine zusätzliche Dimension und weitere Kraftlinien hinzu. Es ist alles in allem eine dynamische dreidimensionale “Farbstudie”, die durch die Materialeigenschaften des Textils möglich wird.
Thomas Leveugle
Kunsthistoriker, Ausstellungskurator
September 2016
Ausstellung Chroniques textiles, FITE 2016, Roche-Bobois, Clermont-Ferrand, Frankreich.
Serie: Augenblicke, Instants 1